Die Sache mit dem Passiv …

Passiv – was heißt das eigentlich in der Welt der  Sprache? Gemäß Definition steht das Passiv in der Sprachwissenschaft für „Leideform“. Diese steht nicht etwa für ein tragisches Ereignis, sondern umschreibt lediglich die Tatsache, dass etwas mit jemandem passiert. Das heißt, die Person agiert nicht selbst, sondern mit ihr geschieht etwas. Wobei es sich statt einer Person auch um ein Ereignis, ein Produkt oder eine Veranstaltung u. Ä. handeln kann. Kennzeichnend für das Passiv ist die Formulierung mit „wurde“, beispielsweise: „Der Mitarbeiter wurde auf Geschäftsreise ins Ausland geschickt.“

Der Gegenspieler zum Passiv ist folgerichtig das Aktiv, also die Tat- oder auch Tätigkeitsform. Und auf bereits genanntes Beispiel übertragen, bedeutet Aktiv, wie der Name bereits erkennen lässt, dass die Person selbst handelt: „Der Mitarbeiter begab sich auf Geschäftsreise ins Ausland.“

So weit, so gut. In der Alltagssprache und zahlreichen Werbemitteln erfreut sich das Passiv großer Beliebtheit. Entsprechend ist zu beobachten, dass ein Grammatikfehler, der aus einer Unvollständigkeit der Ausdrucksweise resultiert, zunehmend zur Umgangssprache mutiert. Das mag zwar auf den ersten Blick praktisch anmuten, ist jedoch sprachlich alles andere als korrekt. Beispiel 1 veranschaulicht das auf einfache, aber für das in Sachen Grammatik weniger geschulte Auge unauffällige Art:  „Das Haus wurde nach zwei Jahren Bauzeit und die Kellerräume erheblich später fertiggestellt.“

Weshalb unauffällig?  Der Satz scheint einfach: Beide genannten Faktoren wurden fertiggestellt. Daher erscheint „wurde“ auf den ersten Blick richtig. Doch schauen wir genauer hin: Die vermutlich aus stilistischen Gründen nur einmalige Verwendung von „wurde“ bezieht sich auf beide Begriffe, also das Haus und die Kellerräume. Übersetzt heißt das so viel wie: „Das Haus wurde nach zwei Jahre Bauzeit und die Kellerräume wurde erheblich später fertiggestellt.“ Liest sich befremdlich, oder? Man weiß zwar, was ausgedrückt werden soll, doch diese Aussage ist letzten Endes nicht vollständig. Denn: Das Haus steht in der Einzahl, auch Singular genannt. Die nachfolgend erwähnten Kellerräume hingegen sind in der Mehrzahl, also im Plural. Die Vollständigkeit liegt unabdingbar in der Ergänzung: „Das Haus wurde nach zwei Jahren Bauzeit und die Kellerräume wurden erheblich später fertiggestellt.“

Beispiel 2 hingegen macht die Abweichung auch für das weniger geschulte Auge deutlich:  „Die Produkte wurden in Kartons verpackt und der Versand noch am gleichen Tag durchgeführt.“  Auch dieser Satz ist gekennzeichnet durch die einmalige Verwendung von „wurden“. Die Übersetzung hierfür lautet: „Die Produkte wurden in Kartons verpackt und der Versand wurden noch am gleichen Tag durchgeführt.“ Die Merkwürdigkeit der Aussage wird in diesem Beispiel noch durch zwei verschiedene Vorgänge („verpackt“ und „durchgeführt“) unterstrichen.  Wie auch in Beispiel 1 liegt die Vollständigkeit in der Ergänzung: „Die Produkte wurden in Kartons verpackt und der Versand wurde noch am gleichen Tag durchgeführt.“

Kompliziert? Für den Laien, zumindest auf Anhieb, vermutlich schon. Alles eine Frage der Erfahrung. ABER: Dafür gibt’s ja einschlägige Experten …

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